Seit Jahrtausenden begleiten uns Menschen Rituale. Sie haben auch im modernen Alltag nicht an Bedeutung verloren. Ob in der Familie, im Beruf, in der Pädagogik, im Coaching oder in persönlichen Entwicklungsprozessen – Rituale im Alltag geben Sicherheit, schaffen Struktur und Abwechslung und vermitteln ein Gefühl der Verbundenheit.
Definition Alltagsrituale: Alltagsrituale sind regelmäßig wiederholte, kleine symbolische Handlungen. Sie setzen Markierungen in zyklischen Zeitabläufen . Sie wiederholen sich täglich, wöchentlich, monatlich oder zu besonderen persönlichen Zeiten. Alltagsrituale müssen einfach und wiederholbar sein. Sie müssen ohne große Vorbereitung und ohne große Gedächtnisleistung durchgeführt werden können.
Unterscheidung Gewohnheit – Ritual
Die Wiederholung einer Alltagshandlung ist eine Gewohnheit. Hat die Handlung allerdings eine symbolische Bedeutung (also eine Ebene, die über die Handlung hinausweist), dann erst ist es ein Alltagsritual.
Wirkungen
Die Kraft der Alltagsrituale liegt in der Wiederholung. Wiederholte, symbolische Handlungen helfen den Alltag zu strukturieren und geben auch die Möglichkeit, Alltag mit Spiritualität zu bereichern. In der stetigen Wiederholung über einen längeren Zeitraum entfalten Alltagsrituale ihre tiefe Kraft – ihre beabsichtigte Wirkung wird verinnerlicht.
Beispiele für Rituale in einem stressigen Alltag
Wir sind im Alltag mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Oft mangelt es uns an Zeit für uns selbst – um Energie zu tanken, um eigenen Bedürfnissen und Interessen nachzugehen oder um uns selbst etwas Gutes zu tun. Hier können kleine Alltagsrituale hilfreich sein, sie brauchen nicht viel Zeit und können gut in den Tag integriert werden. Unsere Ideen möchten Ihre eigene Fantasie anregen. Die Ideen können jeweils in wenigen Minuten durchgeführt oder auch zeitlich ausgedehnt werden.
Den Tag kraftvoll beginnen:
Räkeln und strecken Sie sich noch vor dem Aufstehen im Bett. Spüren Sie ihren Körper und nehmen wahr, wie er sich gerade anfühlt. Wenden Sie sich im liebevoll zu und bedanken Sie sich bei ihm, dass er Sie durchs Leben trägt. Gehen Sie nach dem Aufstehen an einen Ort, wo Sie für wenige Minuten ungestört sein können – an ein offenes Fenster, ins Freie, auf den Balkon – vielleicht mit Blick auf einen Baum. Stellen Sie sich aufrecht hin und nehmen Sie ihre Fußsohlen wahr. Stellen Sie sich vor, dass ihr Atem über die Erde, durch Ihre Fußsohlen in ihren Körper fließt. Atmen Sie einige Atemzüge die Kraft aus der Erde in Ihren Körper. Sie können die Atembewegung mit den Händen in einer Schöpfbewegung von unten nach oben unterstützen. Nun wenden Sie sich innerlich dem Himmel zu: Atmen Sie Kraft aus dem Himmel über ihren Scheitelpunkt zu sich in den Körper und unterstützen dies ebenfalls einige Atemzüge lang mit den Händen. Richten Sie Ihren Blick nun auf den Baum: so wie er, sind auch Sie mit Himmel und Erde verbunden – holen Kraft und Energie von unten und oben. Sagen Sie leise oder laut zu sich: „Ich bin mit Erde und Himmel verbunden und gehe gestärkt in meinen Tag.“
Meinen eigenen Raum hüten:
Nehmen Sie sich in anstrengenden Alltagssituationen für eine kurze Zeit aus dem Geschehen heraus und gehen Sie an einen ruhigen Ort, wo Sie allein sein können. Im Notfall kann dies die Toilette sein! Schließen Sie die Augen und nehmen drei tiefe Atemzüge. Stellen Sie sich vor, dass es in Ihnen drin einen angenehm schönen und ruhigen Raum gibt, der nur Ihnen alleine gehört. Vielleicht gibt es darin einen gemütlichen Lehnstuhl oder eine andere feine Sitzgelegenheit. Betreten Sie diesen inneren Raum durch eine Tür, die nur Sie öffnen können. Schließen Sie die Tür ganz bewusst hinter sich und nehmen die angenehme Schönheit ihres inneren Raumes wahr. Sinken Sie gemütlich in Ihren Stuhl und atmen Sie einige Atemzüge entspannt und ruhig. Sagen Sie leise zu sich: „Dieser Raum gehört nur mir!“
Kraft tanken in der Natur:
Machen Sie einen Spaziergang in der Natur. Gehen Sie mit der Frage, was sich Ihnen Kraftvolles und Stärkendes in der Natur zeigen will. Nehmen Sie mit allen Sinnen wahr: vielleicht einen Duft, eine Vogelstimme, eine aufgehende Blüte, ein scheues Eichhörnchen, ect. Lassen Sie Ihre Gedanken schweifen und überlegen Sie, welche stärkende „Botschaft“ das Gesehene für Sie und ihre jetzige Situation haben könnte. Vielleicht haben Sie einen Baum gesehen, der auf einem kargen, felsigen Boden wächst. Seine „Botschaft“ könnte sein: „Auch mit wenig Boden wachse ich und strebe dem Himmel entgegen.“ Gestalten Sie einen kleinen Platz mit Naturmaterialien, sprechen Sie für sich aus, was Sie Stärkendes gesehen haben. Bedanken Sie sich bei der Natur für die Unterstützung und nehmen Sie etwas Kleines aus der Natur als Erinnerung mit nach Hause.
Wenn Sie sich tiefer mit Ritualgestaltung beschäftigen möchten und wenn Sie lernen wollen, wie sie selbst Rituale entwickeln können, dann sind Sie in unserem Jahreskurs genau richtig!
Die vierteilige Seminarreihe startet immer im Frühling und findet im Seminarhaus Holzöstersee, nördlich von Salzburg, statt.
Britta Weber und Wolfgang R. Walch leiten den Jahreskurs.


